


Oft werde ich gefragt, wie man dazu kommt, Trauerredner zu werden. Auch ich bin einen langen Weg gegangen, bevor ich in diesem Beruf meine Berufung gefunden habe.
In einem katholischen Haushalt aufgewachsen war ich von klein auf mit den Ritualen der Kirche vertraut und ich habe schon als Kind und als Jugendliche in verschiedenen Gottesdiensten mitgewirkt, sei es als Vorleser oder als Sängerin im Chor. Hier liegen meine religiösen Wurzeln, obwohl ich viel an der Institution Kirche gelitten habe.
Nach dem Abitur beschäftigte ich mich im Studium mit Philosophie und Geschichte, denn die Frage nach dem Sinn des Lebens hat mich schon damals immer wieder beschäftigt. Ich lernte zwei verschiedenen Berufe und arbeitete einige Jahre in einem Versicherungsbüro. Aber wirklich zufrieden war ich in all den Jahren nicht.
Schon in der Jugend musste ich viele Abschiede verkraften. Mein Opa starb als ich 5 Jahre alt war, meine Oma wurde pflegebedürftig und wurde zuhause drei Jahre lang von uns zuhause gepflegt. Meine Mutter ist gehbehindert und meine Tante ist am Krebs gestorben, meine Schulfreundin kam mit 16 Jahren durch einen Autounfall ums Leben und ein Onkel beging Selbstmord.
So habe ich in der eigenen Familie und im Freundeskreis schon in jungen Jahren von vielen lieben Menschen Abschied genommen und ich weiß also aus eigener Erfahrung, wie sich Trauer anfühlt und wie schwer sie unser Leben treffen kann.
Als die Tante meines Mannes in Starnberg verstorben ist, zog mich irgendwas zu ihrer Beerdigung (obwohl ich sie kaum kannte). Bei dieser Feier sprach ein Freund der Familie über diese Frau, die mit 84 Jahren freiwillig aus dem Leben geschieden war. Seine Schilderung war so lebendig, dass ich den Atem angehalten habe.
Als ich nach Hause fuhr, wusste ich, dass ich mein Ziel gefunden hatte. Ich wollte da vorne stehen und Lebensgeschichten erzählen. Durch Freunde erfuhr ich von Elsa Tsangaris, die damals die Lebensquelle Trauer in Haan gegründet hatte.
Sie bot eine Ausbildung zum Lebens- und Trauerbegleiter an, die ich mit erfolgreicher Abschlussarbeit beendete (und die von der Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerbegleitung zertifiziert ist). Diese Ausbildung war dann die ideale Vorbereitung auf meinen Beruf.